Seit über 500 Jahren ist Altötting der bedeutendste Marienwallfahrtsort im deutschsprachigen Raum. Die „geistliche Heimat“ des Papstes bietet Pilgern und religiös motivierten Gruppen die Möglichkeit, in das Leben von Benedikt XVI. einzutauchen.
Viele Päpste waren bereits in Altötting, dem seit mehr als 1.250 Jahren geistlichen Zentrum Bayerns, zu Gast und zeigten ihre Verbundenheit mit dem Ort mit verschiedenen Weihegaben, die heute zu den Schätzen Altöttings zählen. Doch Papst Benedikt XVI., der seit einigen Jahren der amtierende Nachfolger Petri ist, hat einen ganz besonderen Bezug zu dem Marienwallfahrtsort: „Ich habe das Glück, ganz in der Nähe von Altötting geboren zu sein“, schreibt er in seinem Geleitwort eines Stadtführers. „Die gemeinsamen Wallfahrten mit meinen Eltern und Geschwistern an den Gnadenort gehören zu meinen frühesten und schönsten Erinnerungen.“
Im Rahmen seiner ersten offiziellen Reise nach Bayern besuchte Papst Benedikt XVI. im September 2006 Altötting und zelebrierte vor Zehntausenden von Gläubigen eine Messfeier auf dem Kapellplatz. Zur Erinnerung an dieses bedeutende Ereignis wurde am 16. April 2008, am Geburtstag des Heiligen Vaters, eine Gedenktafel auf dem Papst-Benedikt-Platz enthüllt.
Im August 2008 erhielt der Marienwallfahrtsort von Kardinal Joachim Meisner die „Goldene Rose“. Zum ersten Mal ehrte ein Papst ein deutsches Marienheiligtum mit dieser Auszeichnung. Dieses Brauchtum hat seinen Ursprung in der mittelalterlichen Prozession, in der der Papst am vierten Fastensonntag eine Rose zur Kirche Santa Croce trug und sie dem Stadtpräfekten von Rom überreichte. Die Rose, das Sinnbild für Christus, wurde im Laufe der Jahrhunderte als Zeichen päpstlichen Wohlwollens an Persönlichkeiten, Institutionen, Städte und in den vergangenen Jahrzehnten an Gotteshäuser verliehen.
Mehr als eine Million Pilger und religiös motivierte Gruppen kommen jährlich nach Altötting, um vor der „Schwarzen Muttergottes“ im achteckigen Turm der Gnadenkapelle zu beten. Um 1330 kam das aus Lindenholz geschnitzte frühgotische Bild einer stehenden Muttergottes mit dem Kinde nach Altötting. Als rund 150 Jahre später ein Junge vom Heuwagen überrollt wurde und auf dem Altar der Kapelle wieder zum Leben erwachte, begannen die Wallfahrten nach Altötting und die Anbetung des Gnadenbildes.
Anhand des Filmes „Unsere Liebe Frau“ können Besucher die Geschichte des Wallfahrtortes nachvollziehen. In der Schatzkammer in Altötting sind einige der kostbaren Weihegaben, die die Wallfahrer aus Dankbarkeit opferten, zu sehen. Schmuckstücke, Kelche und eine wertvolle Sammlung Jahrhunderte alter Rosenkränze werden in der Schatzkammer gezeigt. Ein Prunkstück ist das „Goldene Rössl“, ein Mini-Altar mit einer Szenerie aus goldenen Figuren.
Figürlich werden auch die Geschichte Altöttings und die Geburt Christi in der Dioramenschau bzw. der Mechanischen Krippe dargestellt. 22 dreidimensionale Großbilder mit insgesamt über 5.000 aus Ton modellierten Statuen erzählen in der Dioramenschau wichtige Ereignisse im Wallfahrtsort im Laufe der Jahrhunderte: Mächtige Fürsten sind da zu sehen, betendes Volk, schlimme Zeiten wie Pest und Krieg, die die Wallfahrt beinahe zum Erliegen brachten – die kunstvoll gearbeiteten Figuren und die plastisch gestaltete Landschaft vermitteln ein lebendiges Bild.
Die Mechanische Krippe unweit des Kapellplatzes ist Anziehungspunkt für viele Besucher Altöttings. 130 handgeschnitzte und teils elektrisch angetriebene, bewegliche Figuren stellen die Geburt Christi und das Alltagsleben in Bethlehem dar. Unbedingt besichtigt werden sollte auch das Monumental-Rundgemälde „Jerusalem Panorama“, das die Kreuzigung Christi zeigt.
Bendiktweg:
„Von jeder Haustür geht ein Weg nach Altötting“, heißt es in Bayern. Am Kapellplatz, dem Zentrum Altöttings, der nicht als Markt- oder Handelsplatz, sondern als Bühne der Wallfahrt zur Zeit des Barock konzipiert wurde, münden diese Wege. Doch es gibt auch Wege, die aus Altötting hinaus führen – so zum Beispiel der im Sommer 2005 eröffnete „Benediktweg“. Auf 248 Kilometern verbindet dieser Radrundweg die Stätten der Kindheit und Jugend Joseph Ratzingers, des amtierenden Papstes.
Ausgangspunkt ist die von seinem Vorgänger, Johannes Paul II., 1980 gepflanzte „Papstlinde“. Die Route führt durch eine der ältesten Kulturlandschaften Mitteleuropas, in der bereits in karolingischer Zeit viele Klöster gegründet wurden. Entlang des Weges sieht man Klöster und Kirchen der Benediktiner, Zisterzienser, Franziskaner und Augustiner. Hauptbesichtungsziele des Rundwegs sind der Geburtsort Joseph Ratzingers Marktl am Inn und seine Wohnorte Tittmoning, Aschau am Inn und Traunstein. Idyllische Voralpenlandschaft und historische Städte wie Burghausen, Mühldorf und Wasserburg machen den Benediktweg abwechslungsreich. Er ist nicht nur als Aneinanderreihung touristischer und kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten angelegt, sondern vermittelt auch, dass die „statio“, die Station, und die „commotio“, die Bewegung, der Weg, bei einer Wallfahrt zusammengehören.