Bregenzer Seebühne – Festspiele, Fußball und Film

Im Frühling 2008 war ganz Bregenz im James Bond-Fieber. Vergessen das „Golden Eye“ – für den neuen James Bond-Film „Quantum of Solace“, der Anfang November 2008 in die Kinos kam, stand das Auge der „Tosca“ im Zentrum des Geschehens. Die 200-köpfige Filmcrew drehte zwei Wochen lang auf der bekannten Seebühne von Bregenz „eine der wichtigsten Sequenzen des ganzen Films“, so Hauptdarsteller Daniel Craig. (Foto: andereart)

James Bond jagt darin seine Widersacher durch die spektakuläre Kulisse der „Tosca“-Inszenierung. Mehrere Nächste hintereinander wurden dafür komplette Aufführungen inklusive Solisten, Statisten, Orchester und Chor auf die Bühne gebracht. Mit Tausenden von Bregenzern und Gästen, die das Publikum mimten.
„Im Film geht der Geheimagent in die Oper, um einige Personen zu treffen“, erzählt die Produzentin des 22. James Bond-Films Barbara Broccoli. „Wir verfolgen bei den Filmen die Tradition, den Zuschauern die interessantesten und schönsten Plätze der Welt zu zeigen.“ Nachdem die Drehbuchautoren Bilder von der Seebühne in Bregenz gesehen hatten, war für sie klar: dort musste der neue Film spielen.

Ähnlich erging es auch den ZDF-Verantwortlichen, die die Seebühne zum Fernsehstudio während der Fußball-EM im Juni 2008 umfunktionierten. 15 Mio. Zuschauer konnten bei jeder ZDF-Übertragung die Kommentare von Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier vor der riesigen Augenwand erleben. Auf den Zuschauerrängen saßen dieses Mal keine Statisten, sondern Fußball-Fans aus ganz Europa. „Die Fankurve Bodensee der ZDFarena war wohl das schönste und außergewöhnlichste Public Viewing der EM 2008“, so Franz Salzmann, kaufmännischer Direktor der Bregenzer Festspiele. (Foto: ZDF, Sascha Baumann)

Fußball-Fans und Filmaufnahmen bei den Festspielen? Was andernorts vermutlich bestenfalls ein arrogantes Naserümpfen der Kultur-Beauftragten zur Folge hätte, war in Bregenz kein Problem. Die Bregenzer Festspiele sehen ihren Auftrag darin, eine Mischung aus populärer und anspruchsvoller Kultur, eine breite Vielfalt zu bieten. „Leute offener zu machen, zu ermutigen, ihr ‚Schubladendenken’ aufzugeben und neue Formen der Kultur aufzunehmen“, ist für Intendant David Pountney eine der wesentlichen Herausforderungen.

Diese Offenheit hat sich ausgezahlt, die Festspiele meldeten 2008 einen Rekord. 140.128 Besucher machten „Tosca“ zur bestbesuchten Opernwiederaufnahme auf der Bregenzer Seebühne in den vergangenen zehn Jahren.