„Jerusalem Panorama Kreuzigung Christi“ – begehbares Kunstwerk

Nur zwei Minuten geht man vom Kapellplatz in Altötting zum zwölfeckigen, kirchengroßen Zentralbau, der in seinem Inneren ein weltweit bekanntes religiöses Kunstwerk beherbergt. Nachdem man den abgedunkelten Weg und die dämmrige Treppe passiert hat, haben sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Am Aussichtspodium angelangt, öffnet sich der Blick auf ein grandioses Panorama.

Zunächst erkennt man die Tempelstadt des antiken Jerusalem, dann wandern die Augen – geleitet von Lichtpunkten und den Erklärungen über die Lautsprecher – zur Oberstadt, wo drei wichtige Stationen des Prozesses Jesu dargestellt sind: Das Haus des Letzten Abendmahls sieht man dort, die Versammlungsstätte des Hohen Rats und die Sionsburg, in der Pilatus seines Richteramtes waltete. Jenseits der Burgmauern erkennt man das Heilige Land und die Straße, die nach Bethlehem führt.

Der Betrachter fühlt sich, als wäre er mitten im Bild – so lebendig und eindrucksvoll ist die Szenerie. Man erlebt mit den Jüngern Jesu im Villengarten des Joseph von Arimathäa die Kreuzigung auf Golgota. Die Kunstform des Panoramas, des „umfassenden Rundblicks“, war im 19. Jahrhundert in den Großstädten Europas und Amerikas weit verbreitet.

Ein Panorama wird möglich, indem man in einen frei stehenden Zentralbau ein überdimensioniertes Gemälde in zylindrischer Form hängt. Vom hohen Besucherpodium in der Gebäudemitte leiten dann plastische Geländenachbildungen zur Malerei über und lassen die Illusion erstehen, sich selbst mitten im Gemälde zu befinden. Zwölf Meter hoch und mit einem Umfang von 95 Metern erlaubt das Panorama in Altötting, das auf Leinwand in Öl gemalt wurde, einen 360-Grad-Rundumblick. 27 Stoffbahnen wurden aneinander genäht, um die rund 1.200 qm bemalte Fläche zu erzeugen.

Nur wenige dieser Kunstwerke sind heute noch vorhanden. Das Jerusalem Panorama der Kreuzigung Christi in Altötting ist das einzige Großraum-Panorama in Deutschland in historischer Gestalt. 1903 von dem Münchner Historienmaler Gebhard Fugel gemeinsam mit einem Architekten und nur drei weiteren Partnern innerhalb eines Jahres geschaffen, steht es heute unter Denkmalschutz und gehört zum UNESCO-Kulturgut. Es ist das letzte im Original erhaltene Panorama mit religiöser Thematik in Europa, weltweit gibt es nur noch zwei weitere Kreuzigungs-Panoramen.