Passionsspiele in Oberammergau

Alle zehn Jahre herrscht in der kleinen Feriengemeinde Oberammergau, die 20 Kilometer nördlich von Garmisch-Partenkirchen liegt, Ausnahmezustand. Ab Anfang nächsten Jahres können die Friseursalons des Ortes für einige Zeit wieder schließen, denn mehr als 2.000 Einwohner werden ihre Haare und Bärte lang wachsen lassen, um bei den berühmten Passionsspielen 2010 ihre Rolle so originalgetreu wie nur möglich zu verkörpern.

Acht Monate Proben stehen auf dem Plan, bis am 15. Mai 2010 die Premiere der Oberammergauer Passionsspiele dann über die Bühne geht. Die Faszination der Oberammergauer Passion liegt zum einen in dem gewaltigen Ausmaß ihrer Inszenierung und zum anderen in ihrer Geschichte. Als im Dreißigjährigen Krieg die Pest wütete, gelobten die Bürger Oberammergaus, alle zehn Jahre das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus“ aufzuführen. Bereits 1634 erfüllten sie ihren Schwur zum ersten Mal und daran hat sich Jahrhunderte später nichts geändert.

Nach wie vor ist beinahe die Hälfte Oberammergaus als Darsteller auf der Bühne präsent, der andere Teil trägt hinter den Kulissen zum professionellen Gelingen bei. Sämtliche Rollen werden von Laienschauspielern besetzt, die in Oberammergau geboren sind oder seit mindestens zwei Jahrzehnten dort leben. 130 Sprechrollen, ein 120-köpfiger Chor, 70 Musiker und unzählige Komparsen, darunter 500 Kinder – die Passionsspiele sind eine großartige Gemeinschaftsleistung der Oberammergauer.

Gemeinsam beschloss man übrigens bei einem Bürgerentscheid im letzten Jahr auch eine Neuerung für 2010: Die Passionsspiele finden dann erstmals in den Abendstunden statt.

Foto: Passionsspiele Oberammergau 2000