Betrachtet man sich heute die Bühnenbilder der letzten Jahrzehnte, kann man sich kaum vorstellen, dass das Spiel auf dem See der Bregenzer Festspiele vor mehr als 60 Jahren auf zwei Kieskähnen begann. Jedes Jahr verzeichnen die Festspiele im Juli und August über 200.000 Besucher und sind zu einem festen Bestandteil im Kulturkalender geworden.
Foto: Benno Hagleitner
Das Konzept der Bregenzer Festspiele ist es, beliebte Aufführungen in einer spektakulären Inszenierung beim Spiel auf dem See und eher unbekannte, schwierigere Stoffe im Festspielhaus, der Werkstattbühne oder im Theater am Kornmarkt auf die Bühne zu bringen. „Bregenz ist mit dieser enormen Spannung zwischen populärer und anspruchsvoller Kultur einzigartig“, so Festspiel-Intendant David Pountney. „Wir haben eine unglaubliche Breite in unserem Programm.“
Vier Jahre dauert es von der Idee bis zur Premiere eines Spiels auf dem See, das dann zwei Festspiel-Saisons hintereinander gezeigt wird. Nach der beeindruckenden „Tosca“-Inszenierung, die für Rekordzahlen sorgte, steht 2009 die Premiere von Guiseppe Verdis „Aida“ an. „Es ist das erste Mal in der Festspielgeschichte, dass diese großartige ‚Wüstenoper’ ans Bodenseeufer versetzt wird, das ist natürlich eine große Herausforderung“, erläutert Pountney.
Auf die Umsetzung darf man gespannt sein, denn das Bühnenbild soll das höchste in der Geschichte der Bregenzer Festspiele werden. „Echte Elefanten werden wir vermutlich nicht auf die Seebühne bringen“, schmunzelt Pressesprecher Axel Renner, doch ansonsten sind der Phantasie und dem Geschick des von Bühnenbildner Paul Brown und Regisseur Graham Vick keine Grenzen gesetzt.
Welche erstaunlichen Möglichkeiten die Seebühne bietet, zeigte einmal mehr die „Tosca“-Inszenierung 2008: Die 50 m breite, 25 m hohe und 300 Tonnen schwere Augenwand, verwandelte sich während des Stückes lautlos und in Minutenschnelle, wurde zur Kirche, Palast und Gefängnis und zuletzt sogar komplett nach hinten umgeklappt. 
Tipp: Bühnenführung
„Die Technik ist aber nur Mittel zum Zweck, sie unterstreicht und verstärkt den Inhalt der Oper“, erfahren die Gäste, die vor der Vorstellung eine Bühnenführung gebucht haben. Auf der 50-minütigen Tour stehen die Teilnehmer einmal selbst auf der größten Seebühne der Welt, erleben, wie steil der Boden ist und können nachvollziehen, welch langen Wege die Schauspieler zurücklegen müssen.
„Es bedeutet eine körperliche Anstrengung hier zu spielen, viele Opernsänger besuchen zuvor ein Fitness-Studio und Mücken im Mund stehen ausdrücklich im Vertrag“, so der Bühnen-Guide. Neben der Bühnenführung, in der auch das komplett renovierte Festspielhaus gezeigt und viele Geheimnisse und Tricks gelüftet werden, kann auch ein Einführungsvortrag zum jeweiligen Werk besucht werden. Für Gruppen werden darüber hinaus auch exklusive Vor- und Nachprogramme in der Festspiel-Lounge angeboten.